Liebe Frau Kollegin, lieber Herr Kollege,

hätten Sie sich auch einen starken Berufsverband gewünscht, der mit großer Kraft und öffentlicher Wahrnehmung den Protest gegen die Anrechnung von Leistungsbezügen bei der Erhöhung der W-Besoldung, den nicht angemessenen Besoldungsdurchschnitt oder gegen Nullrunden bei der Besoldungsanpassung organisiert hätte? Sollte der Hochschullehrerbund hlb nicht offensiver gegen die Unterfinanzierung der Hochschulen protestieren und seine Kritik an der zu hohen Lehrverpflichtung und den Rahmenbedingungen für Forschung unterstreichen? Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass die Leistungen unserer Hochschulen in der Öffentlichkeit und in der Politik zu wenig wahrgenommen werden?

Wir Professorinnen und Professoren an den Fachhochschulen stehen vor großen Herausforderungen. Wir müssen steigende Studierendenzahlen bewältigen, aber ohne Abstriche in der Qualität unserer Lehre. Wir wollen unser anwendungsorientiertes Profil in den Bachelor- und Masterstudiengängen einschließlich der Forschung bis zu Promotionsverfahren stärken. Und wir befinden uns bei alledem im Wettbewerb mit gut organisierten Universitäten und ihren Verbänden.

Ab dem Jahr 2016 greift für den Bund die Schuldenbremse, ab dem Jahr 2020 in den Bundesländern. Schon heute sind die Länder nicht in der Lage, die Hochschulen allein zu finanzieren. Sie benötigen hierzu die Unterstützung des Bundes. Wir müssen damit rechnen, dass nach Inkrafttreten der Schuldenbremse der Wettbewerb zwischen den Hochschulen und den Hochschularten an Härte weiter zunehmen wird.

Das Bundespräsidium des Hochschullehrerbundes ist der Meinung, dass der hlb wesentlich offensiver in der Hochschulpolitik auftreten muss. Mit den vorhandenen, weitgehend ehrenamtlichen Strukturen auf Bundes- und Landesebene und der gegenwärtigen personellen Kapazität der Bundesgeschäftsstelle ist das nicht leistbar. Im Vergleich zum hlb ist der Berufsverband unserer Kolleginnen und Kollegen an den Universitäten deutlich professioneller aufgestellt. Die dort verfügbaren Ressourcen werden über einen Mitgliedsbeitrag von 195 Euro pro Jahr finanziert. Der durchschnittliche Mitgliedsbeitrag im hlb liegt bei etwa der Hälfte.

Wir haben daher der Bundesdelegiertenversammlung im Mai dieses Jahres vorgeschlagen, die Arbeit des hlb auf Bundes- und Landesebene in den Bereichen Hochschulpolitik und Öffentlichkeitsarbeit durch eine Aufstockung der Personalkapazitäten in der Bundesgeschäftsstelle zu unterstützen und zugleich die Erreichbarkeit der Geschäftsstelle und die Beratungstätigkeit für Sie als Mitglied deutlich zu verbessern. Natürlich wäre dies nicht ohne eine Anhebung der bisherigen Mitgliedsbeiträge möglich. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der hlb-Bundesvereinigung und den hlb-Landesverbänden berät derzeit, wie wir in dieser Frage verfahren wollen.

Um die Meinung möglichst vieler hlb-Mitglieder über die zukünftige strategische Ausrichtung des hlb und die Mittel, die wir dafür aufwenden wollen, kennen zu lernen, hat das Bundespräsidium diese Internet-Plattform eingerichtet. Bitte sagen Sie uns Ihre Meinung!

Herzlichst

Ihr

Nicolai Müller-Bromley

Präsident des hlb